Oversex und unvorhersehbare Swinger-Dynamik

Wir brauchen erst mal intensive Erholung, um aus dem oversexten Zustand des letzten Swinger-Wochenendes in den Normalzustand zurück zu finden. In diesem ersten Swingerjahr habe ich lange, zeitlose Begegnungen lieben gelernt. Eine schnelle Nummer oder einsamer Quicky ist absolut nicht mein/unser Ding, dafür lohnt sich für uns beide das Abenteuer "Swingen" nicht. Als wir einen Tag später wieder kommunikationsfähig sind, sprechen mein Mann und ich über das sexgeladene und orgastische Wochenende. Wir sind uns einig, so eine extreme Nummer, diese Dimension der Erotik lassen wir dann in Zukunft doch lieber sein. Wie wahnsinnig berauschend es auch war, in dezent kleineren Portionen ist der Sex immer noch höchst befriedigend. Die Dosis soll angepasster ausfallen, damit die Regenerationszeit in einem vernünftigen Rahmen bleibt.

Mein Mann erzählt mir, dass er zu Beginn im Namasté-Zimmer ein sehr intensives Gespräch mit Mrs. Namasté geführt hatte. Sie hat ihm sehr aufgewühlt ihr Herz ausgeschüttet: unser erlebtes Blinddate vom Januar hatte ihre Emotionen komplett aus der Bahn geworfen. Sie stellte ihm einige Fragen, um das Ganze mental zu erfassen. 3 Monate lang konnte sie das Erlebte nicht verarbeiten und einsortieren. Nach einem langen klärenden Dialog kuschelte sie wieder vertrauensvoll zu meinem Mann und liess sich ohne Bedenken in die Erotik fallen. Obwohl das Blinddate für mich auch sehr intensiv und speziell war, so stellte es schlussendlich einen Riesengenuss dar. Vielleicht ist es noch was anderes, ob es in den eigenen vier Wänden stattfindet oder erschwerend in unbekannten Räumlichkeiten, sowie mit einem völlig fremden Spielpartner?? Das Erlebnis mit den verbundenen Augen in dieser Form scheint herausfordernd zu sein.

Mit dem Tiger in Mittelamerika und seiner zurückgebliebenen, traurig wartenden Tigerlady in Deutschland entsteht ein extrem tiefer freundschaftlicher Austausch. WhatsApp, Mail und Skype sind unsere Kommunikationsmittel. Fast täglich lesen wir voneinander. Wir geniessen es, keine Ahnung, warum. Es fühlt sich für alle vier unkompliziert und stimmig an. Wir erzählen ihnen, dass wir eine heisse Nacht mit den Nimmersatten verbracht haben, die ja zuerst die Swingpartner der Tiger waren. Sie wollen nach der Rückkehr des Tigers weitere Dates mit dem nimmersatten Paar geniessen. Bei uns allen keimt ein Gedanke: "Das wäre doch mal etwas Besonderes! Wir swingen wild und heiss mit den Tigern und es funktioniert super mit den Nimmersatten. Die Tiger sind mit den Nimmersatten ebenfalls hoch kompatibel. Ein Treffen zu sechst, das wäre doch mal eine geile Sache. Wir sind uns einig, das müssen wir versuchen, sobald im Sommer der Tiger wieder auf unserem Kontinent aufschlägt. Die Tiger haben auch virtuellen Kontakt mit den Nimmersatten und unterbreiten mal die verrückte Idee. Diese sind sofort Feuer und Flamme. Da wartet scheinbar ein abenteuerlicher Sommer auf uns. Wir spotten und witzeln humorvoll: "Zur Pensionierung gehen wir alle nicht ins Altersheim, sondern gründen die wildeste Alters-WG, die diese Welt je gesehen hat. Zu unserem Lebensabend celebrieren wir hemmungslosen Sex! Völlig frei von Eifersucht und konventionellen Schranken!" Wir alle lachen uns über diese Vorstellung fast kaputt: Greisen-Hippies im betreuten Wohnen!!!!


Wie schon erwähnt, teilen mein Mann und ich zwischendurch mittelsoftes BDSM. Diese Art der Erotik ist ausschliesslich unserer Partnerschaft vorbehalten. Ausser den verbalen Austausch bei gelegentlichen Treffen mit interessanten BDSM-Paaren, finden keine Session mit anderen Erotikpartnern statt. Swingen ja, BDSM nein!!!

Ich mag in erster Linie, dass in dem Spiel die Führung übergeben wird, ich meinen Willen dem aktiven Part meines Mannes übergebe. Mein Mann hat ein kleines Teufelchen in sich, liebt es, intensiv mit dem Lustschmerz zu spielen. Wir beide finden eine schöne Erfüllung im Bondage, ich als passiver und mein Mann als aktiver Part. Nur hier müssen wir Acht geben, da mein Körper doch nicht mehr so beweglich, wie bei einer 20-jährigen, ist.

Schon lange Zeit bemerken wir eine Diskrepanz im BDSM:

Mein Mann ist sehr dominant, ein Macher, ein Kämpfer, ein Bestimmer. Ich bin im realen Leben eine sehr starke Persönlichkeit, die ein eigenes Business stemmt, Menschen vertrauensvoll führt. Unser Zusammenleben ist geprägt durch Augenhöhe, Respekt und kommunikatives, lösungsorientiertes Handeln als Team. Dieses gemeinsame Meistern des Alltags verhindert, dass mein Mann den Lead in der Sexualität vollständig übernehmen kann. Er sagt immer, dazu liebt er mich zu sehr. Ich kann seine Führung genau so wenig allumfassend annehmen, da ich mich im Alltag sehr viel mit seiner Dominanz auseinandersetzen muss. Und was ein Dom nicht übernimmt, kann eine Sub nicht erfassen. Auf der anderen Seite bin ich nicht tief masochistisch. Mein Mann spielt gerne etwas härter, dafür bin ich nicht geschaffen. Für mich muss schlussendlich der Schmerz in Lust umwandelbar sein, wenn der Schmerz zu stark wird und nicht an einen Lead gebunden ist, lässt er keine Erotik mehr zu!! So treffen wir uns im BDSM-Spiel nur an kleinen Schnittpunkten, obwohl wir beide grossen Gefallen daran haben. Aber eben, jeder auf seine Weise.

Nun schenkt mir mein Mann ein massgeschneidertes, wunderschönes "Kleid der O"! Wow, was für ein spezielles Geschenk. Es lässt mein Herz sehr hoch schlagen. Bei den ersten warmen Sonnenstrahlen machen wir zu zweit eine Fotosession im Kleid der O. Die Bilder drücken sehr viel Hingabe und körperliche Unterwerfung aus, gepaart mit Eleganz. Wir erleben zusammen eine Session, wo das neue Kleid zum Einsatz kommt. Natürlich präsentieren sich immer die gleichen unkompatiblen Knackpunkte.

Ein paar der Bilder versende ich an wenige meiner spannendstes Swingpartner und warte neugierig auf deren Reaktion. Alle finden die Fotos sehr sexy. Der Jäger schreibt: "Sehr heiss, aber dieses Spiel begreife ich in keinster Weise und ist definitiv nicht meine Welt!" Mr. Namasté ist begeistert, er schnuppert ja gerne mit seiner eigenen Lady in dieses besondere Metier hinein. Mr. Nimmersatt reagiert mit dem ihm zugehörigen kindlichen Enthusiasmus.

Am meisten konkretes Feedback bekomme ich vom einsamen Tiger in Mittelamerika. Zuerst ist seine Aussage ganz klar, diese Art der Erotik hat mit Gewalt, Unterdrückung und Freiheitsberaubung zu tun. Ich schreibe ihm, ob er den Blickwinkel mal etwas verschieben möchte: "Verwende andere Wörter für diese Art der Erotik. Die Sub erfährt keine Gewalt, sondern Lustschmerz, der das sexuelle Empfinden enorm steigern kann, der Dom nimmt der Sub nicht die Freiheit, sondern die Sub verschenkt ihren Willen und überlässt ihm die Führung. Der führende Part unterdrückt nicht, sondern die Sub begibt sich bewusst ins Machtgefälle, weil sie es sucht!" So entsteht ein extrem interessanter Austausch und auf dem fernen Kontinent entfacht eine grosse Neugierde. Aus Unwissenheit wird Faszination.

Mein Mann erfährt eine andere Entwicklung: Nach der Begegnung mit den beiden Nimmersatten bekommt er eine geschriebene Geschichte von der Lady zugeschickt. Er gibt sie mir zu lesen. Es ist eindeutig eine BDSM-Fantasie, die in ihrem Kopf entstanden ist. Herr Nimmersatt ist ein lieber, verspielter Mann mit gar keiner Dominanz. Lady Nimmersatt ist ganz klar die Führerin in ihrer Ehe. Nun muss sie von der natürlichen Dominanz meines Mannes magisch angezogen und sehr fasziniert gewesen sein, so eindeutig, dass seine Aura diese Fantasien in ihr hervorgerufen haben. Tja, was soll ich mit dieser Geschichte anfangen. Mein Mann fragt mich offen: "Darf ich einmal mit dieser Lady spielen?" Meine Emotionen geraten in helle Aufruhr. Seit einem Jahr haben wir eine offene Beziehung, geniessen völlig offen, eifersuchtsfrei und bedingungslos den Partnertausch, einzig das seit Jahren zu unserer Beziehung gehörende BDSM ist ein Tabu. UND wir lieben uns unumstösslich. Ich merke, die Vorstellung, diese heisse Lady als Sub zu erleben, reizt meinen Mann immens. Mich hingegen bedroht dieser Gedanke schon fast. Das erste Mal macht sich das unangenehme Gefühl von Eifersucht in mir breit. Es brodelt und kocht in meinen Emotionen, die Gedanken rauschen. Durch seine Grosszügigkeit konnte ich so viel erotisch erleben. Er hat mich im Hintergrund geschützt, wenn ich sehr abenteuerlustig war. Total selbstverständlich hat er sich mit Einzelherren für mich getroffen und mir Spiele ermöglicht, von denen er gar nichts hatte. Grübel-Grübel-Grübel!!!! Schlussendlich hatte er schon oft einen triftigen Grund, mit Eifersucht um sich zu schmeissen. Nach Tagen mit Grübeln und in tiefen Emotionen komme ich zu einer Entscheidung: Himmel nochmal, er soll seine dominante Ader mit der neuen Gespielin ausleben. Wenn das wirklich unsere Beziehung bedroht, ist sie eh nicht viel wert. Schlussendlich sind wir hier, um unseren erotischen Horizont zu erweitern und das beinhaltet, einander loszulassen. Freiheit bedeutet, neue Wege zu gehen. Bis jetzt wurde unser Mut stets belohnt. In meinem Herzen wünsche ich, dass es so bleibt.

So turbulent entwickeln sich ganz neue, nicht uninteressante Ansätze. Es entstehen eine extrem phantasievolle Dynamik und ein spannender Austausch untereinander. Der Blick in die Zukunft ist für uns unvorhersehbar, völlig offen und unberechenbar geworden. Nicht nur Neugierde, auch ein nicht unerheblicher Respekt macht sich breit.