Meinungsaustausch

09.10.2020

Das Erlebnis, die Aussprache mit dem Tauschdom und die letzten beiden Blogeinträge haben sehr viele Diskussionen ausgelöst. Per Mail meldeten sich einige Leser meines Blogs und waren über die Handlung des Doms, über sein Hinwegsetzen über ein bestehendes No-Go sehr brüskiert.

Ein sehr interessanter schriftlicher Dialog entstand mit meinem Dom, der mich schon seit vielen Monaten auf seine ganz eigene Art durch die Welt des BDSM führt.

Mein Tigerdom schreibt:

«Ich habe die letzten zwei Blogeinträge gelesen und fand es sehr bemerkenswert, was Du zum Thema SUB und Würde geschrieben hast.

Ich habe mir einige Gedanken gemacht. Es mag wohl daran liegen, dass ich kein primäres Interesse daran habe oder einen Lustgewinn aus der Erniedrigung einer Frau ziehe. Gossensprache oder Dirty Talk sind ein Verlust von Anstand, Würde und Kultur beim menschlichen Austausch..... auch beim Sex. Im Besonderen, weil durch Religion und Gesellschaft Sex schon mit Schmutz und Unrat in Verbindung gebracht werden. Ich denke: Es ist wichtig, beim Sex wie im normalen Leben einander den gegenseitigen Respekt zu erweisen. Nur so kann das vom dunklen Versteckten ans Licht kommen und als Normal empfunden werden. Denn was klar und offen dar liegt, kann nicht verbrähmt werden.

Doch viele Menschen kommen aufgrund von Unwissenheit und weil die Kultur kein offenes Aussprechen der sexuellen Bedürfnisse und Tatsachen zulässt, beim Thema Sex mit ihren Gefühlen nicht zurecht. Sie fühlen sich dann unbehaglich.

Einige in der Swingerszene haben diese unausgesprochenen Gesetze der Kultur überwunden. Aber eben nicht alle. Ueberwiegend sehe ich da einige Vertreder der DOM-Szene. Sie benutzen genau dies als Instrument der Erniedrigung, um sich einen Lustgewinn zu verschaffen. Ein Paradox!! In einer befreiten Swingerumgebung die Instrumente zum Lustgewinn zu benutzen, die dem Swingen/BDSM diametral entgegenstehen.»

Nach einem intensiven Nachdenken antworte ich:

«Vielen Dank für das lange Statement und für mich SELBER, für meine Lebenssicht, stimmt jedes Wort.

Nur denke ich, dass diese Sichtweise sehr einseitig ist. Was für mich nicht stimmt, kann für andere Erotik pur bedeuten. Wieso zahlen viele Männer einer Domina Unsummen dafür, um in eine Rolle zu schlüpfen, in der sie als Drecksau, F...stück und vieles mehr beschimpft werden? Wieso wünschen sie damit zutiefst erniedrigt zu werden, um daraus extremen sexuellen Genuss zu ziehen?

Wieso wird am Telefon für Dirty-Talk horrendes Entgeld entrichtet, dass ein Mensch durch Wörter und Beschimpfungen seine Orgasmen erlebt?

Ist es krank oder ein Trigger, den auch diese Menschen ganz frei ausleben dürfen? Wieso gibt es viele Sub's, die durch gezielt eingesetzten, heftigen Dirty-Talk in höchste Erregung kommen? Und unter den Swingern ist es ebenfalls weit verbreitet. Dürfen wir dies, als Andersdenkende, verurteilen und uns damit erhöhen? Dürfen BDSM-ler sich über nackt poppende Swinger stellen und verächtlich auf diese runterschauen?

Meine Ansicht nach: NEIN!!!! Zu all den oben aufgeführten Punkten ein deutliches NEIN.

Das Problem entsteht erst, wenn jemand ein klar definiertes Tabu missachtet, wenn jemand meint, es hat keine Bedeutung, er könne frei darüber verfügen. Wenn sich jemand ALLES vom Gegenüber nimmt, ob dieser nun gleich tickt oder ganz andere Bedürfnisse hat. Seine eigene Meinung dem anderen aufzuzwingen und als die einzig richtige Wahrheit dem gegenüber reinzuwürgen, das geht gar nicht. Egal in welchem Kontext sie miteinander umgehen.

Es müssen immer passende Symbiosen entstehen, die Tabu's beachtet werden.

Ich möchte nochmals klarstellen: Für mich bedeutet Sex und Erotik: Magie, Sinnesrausch, Frausein, tiefe Weiblichkeit, ist etwas Erhabenes, Erfüllendes......

Für mich darf Sex nicht mit Dreck, Schmutz, Derbheit, Rohheit, Respektlosigkeit besudelt werden, egal ob in der Monogamie, beim Swingen, beim BDSM,.... Es hat in meinem Leben keinen Platz und die Lust der Frau darf nicht diskriminiert und degradiert, sondern soll genossen werden. In der passenden Form.»

Der Tigerdom schreibt: «Ich wollte es nicht verurteilen. Ich wollte damit sagen, dass Sprache nicht nur eine Ebene hat. Sprache ist nicht nur Kommunikation, Sprache ist auch Funktion.

Was oftmals geschieht, ist, dass Worte ihr Paradigma ändern, je nach Kontext und doch die Funktion behalten.

Beispiel: Schlampe

Im Alltag: Unter Muggels ist es eine ernst gemeinte, verächtliche Bezeichnung für eine Frau, die ihre Sexualität mehr oder weniger offen praktiziert. Funktion: Erniedrigung und sozialen Status schädigen.

Beim Sex: Hier kann es dazu dienen, zu vermitteln, wie begehrenswert der Partner ist. Der Partner empfindet Wertschätzung bzgl. seiner/ihrer Sexualität. Funktion: Erniedrigung, hier zum Lustgewinn.

Es sei jedem, der hier mit der doppelten Bedeutung leben kann, viel Spass gewünscht. Doch mir ist es wichtig, unzweideutig Wertschätzung zu vermitteln. Besonders, Menschen mit denen ich Sex habe. Und Sex auslebe.

Nun nach vielen Monaten von BDSM mit Malinzita la princessa azteca geniesse ich sehr, Sexualität und Lust und Freude gemeinsam zu leben.»