Fliegen in der Schwerelosigkeit

Aus dem riesigen Berg an Mails in meinem Briefkasten sticht immer wieder etwas ganz Besonderes heraus. Ein Herr erfreut mich mit einem wunderbaren Kommentar zu einem meiner Fotos. Sein Profil besticht durch sehr schöne Aufnahmen, einen einvernehmenden Profiltext und sinnlichen Worten. Wir schreiben uns und er möchte mich mit einer Stunde Wasser-Shiatsu (in einem Thermalbad) beschenken. Er habe schon vor Jahren die Ausbildung in Watsu (so nennt sich das in der Fachsprache) absolviert und erfreue sich immer, wenn er das mit einer Lady teilen könne. Alles findet im öffentlichen Bad statt. Ja, das ist wahrlich was Aussergewöhnliches. Wir machen ein Datum fest.

An meinem freien Tag fahre ich ins Thermalbad und treffe ihn vor der Kasse. Ich mustere den Herrn, der mir gegenübersteht und mir sehr distanziert die Hand reicht. Auch im Gespräch ist er eher kurz angebunden und zurückhaltend. Bis jetzt weiss ich den Mann in keinster Weise einzuordnen, da bin ich gespannt.

Im Bikini gleite ich ins warme Wasser und mein Begleiter erklärt mir: "An dieser Säule hole ich Dich ab und dann kannst Du Dich fallen lassen und alles in Dir loslassen. Ich sorge dafür, dass Du niemals mit der Nase unter Wasser gerätst. Diese Manschetten tragen Dich, damit Deine Beine auf der richtigen Höhe schweben. Gibt es irgendwelche empfindlichen Körperstellen, wo ich aufpassen muss?" Ich erkläre ihm, dass ich mit den Halswirbeln etwas Probleme habe, wenn man mir den Kopf zu sehr in den Nacken drückt, und ich immer sehr verhärtet in der Schulter- und Nackenmuskulatur bin. Er zieht mir die besagten Manschetten an, ich stelle mich erwartungsvoll an die Säule und schliesse meine Augen. Zuerst nimmt er nur meine Hände und schenkt mir ein ganz warmes Festhalten. Ich spüre, wie er näher kommt, den Arm um mein Genick legt und dann verliere ich den Kontakt zum Boden und ich liege komplett in seinen Armen. Meine Ohren sind unter Wasser und ich höre nur noch das Rauschen und Blubbern des warmen Elementes. Nun lässt er mich durch das Wasser fliegen, mal ganz langsam gleiten, ganz nah bei ihm, dann wieder weit entfernt von ihm, nur noch mit den Händen an meinem Genick verbunden. Es ist wunderschön und ich fühle mich schwerelos und wohl. Ich werde sanft über die Haare gestreichelt, mein Gesicht mit schönen Berührungen beschenkt, meiner Wirbelsäule entlang runtergestrichen, das Kreuzbein massiert (ohhh, wie schön) und dann gleite ich wieder schwerelos durchs Wasser, mal links rum, mal rechts rum. Mein Bein wird gehalten, während mein Kopf in seinem andern Arm liegt. Manchmal kommen meine Ohren aus dem Wasser, dann höre ich auf einen Schlag die lauten Geräusche der vielen badenden Menschen. Das holt mich etwas aus dem reinen Fühlen heraus. Ich kann mich wieder fallen lassen, mein Körper wird zusammengefaltet, wieder gestreckt, meine Füsse gefühlvoll massiert, was ich ungemein liebe. Am Schluss liege ich wieder ganz nah bei meinem Begleiter in den Armen, die Manschetten werden geöffnet und ganz langsam gleite ich rückwärts, bis ich die Säule an meinem Rücken spüre und meine Beine wieder Bodenkontakt bekommen. Ich brauche einen Moment, bis alles im Hier und Jetzt angekommen ist. Ich fand es wunder-, wunderschön. Ich umarme den Herrn, der sehr zurückhaltend neben mir steht, küsse ihn auf den Nacken und bedanke mich für das schöne Erlebnis. Eine ganze Stunde ist wie im Nu vergangen.

Gemeinsam trinken wir etwas im Restaurant des Thermalbades. Wir kommen ins Plaudern und ich merke, er wird immer offener und gesprächiger. Er sagt mir: "Wenn Du Lust auf eine zweite Runde hast, ich hätte Freude, nochmals mit Dir durchs Wasser zu gleiten? Magst Du?" Ohhh, eine Wiederholung geniesse ich sehr gerne und stimme zu. Also auf in die Runde zwei, Manschetten an, an die Säule stehen und ab geht es ins Fliegen. Diesmal ist das Gleiten durchs Wasser dynamischer, da er gemerkt hat, dass es mir gefällt. Wie ein Tanz! Mal bin ich ganz nah bei ihm, dann wieder ganz weit weg, er führt mich von einer Bewegung in die nächste. Das warme Wasser ist ein herrliches zusätzliches Element. Als ich nach einer Stunde wieder den Boden berühre, bin ich komplett entspannt. Wir wärmen uns nochmals im ganz heissen Becken auf, gehen dann duschen und entschliessen uns, ein gemeinsames Abendessen zu geniessen.

Im Laufe des Abends merke ich, dass mir eine sehr, sehr interessante Person gegenübersitzt, die vieles im Leben ausprobiert, gemacht und erlebt hat. Ich staune darüber, wie intensiv er viele Reisen in die facettenreiche Welt der Erotik und Spiritualität unternommen hat. Tantra und BDSM, Clubbesuche, Tanzen, spirituelle Reisen, Fotographieren und Miterleben von speziellen Events, er hat viel zu erzählen. Er öffnet sich immer mehr und wir können angeregt miteinander diskutieren, ich zweifle aber, dass ich schlussendlich erotisch mit ihm werden könnte.

Als ich mich von ihm verabschiede, küsse ich ihn mutig, er wehrt ab und sagt: "So schnell geht es bei mir nicht! Ich brauche Zeit!" Ok, ich wollte feststellen, was mein Körper wirklich sagt. Beim Aqua-Shiatsu habe ich mich wohlgefühlt, seine Energie ist sehr angenehm, ..... jetzt warten wir mal ab, wie die Geschichte zukünftig weitergeht. Ohne das Küssen kann und will ich mich weder für noch gegen die Erotik entscheiden.  Interessant waren diese Stunden auf jeden Fall.