Date der Wahrheit

Als ich mit meinem Mann wieder alleine bin, erzähle ich ihm, was vorgefallen ist. Auch er ist sauer, gibt im Gegenzug zu bedenken, dass dies durchaus ein "unabsichtlicher Verrutscher" gewesen sein könnte. Quasi in der Hitze des Gefechts.

Am nächsten Tag leide ich an einem irritierenden Ausfluss im Unterleib und werde noch ungehaltener über die ganze Situation. Ganz deutlich gebe ich meinem Mann zu verstehen, dass ich die Sache geklärt haben will, lege ihm meinen Plan dar, wie ich mit allem, was ich weiss, die beiden mit ihren Unehrlichkeiten konfrontieren möchte.

Ich schreibe Mr. Nimmersatt, dass meine Vagina reagiert hat. Er antwortet, das verstehe er nicht, er gehe umgehend zum Arzt. Seiner Lady schreibe ich ebenfalls, was los ist, und frage ganz gezielt: "Habt ihr in letzter Zeit mit einem Paar ungeschützten Kontakt und Sex gehabt?" Sie antwortet: "Nein, wir sind immer safe unterwegs und haben eh nur ganz, ganz wenige Swingerkontakte neben euch beiden." Ich bohre nach: "Ehrenwort?" Sie schreibt: "Grosses Ehrenwort! Wir wollten das nur mit euch, ihr habt ja damals zurückgezogen und wir haben uns an euren Kondomwunsch gehalten." So eine unverfrorene Lüge, ich bin platt.

Jetzt weiss ich genug. Für alle, die es vielleicht nicht ganz mitbekommen haben:

  • vor einem Jahr wollten die Nimmersatten eine Vereinbarung mit uns, dass wir zu viert (ausschliesslich zu viert) Sex ohne Kondom praktizieren. Nach langen Verhandlungen haben wir (ich mit einem rebellierenden Bauchgefühl) zugestimmt. Durch einen Zufall erfahren wir, dass sie, eine Woche nach dem gegenseitigen Versprechen, Sex ohne Kondom mit den Tigern provoziert hatten. Uns haben sie bis heute nie gebeichtet, was damals geschehen ist.
  • Wir haben, ohne Angabe eines Grundes, die Vereinbarung aufgelöst und verlangt, dass nur noch Safersex praktiziert wird oder sie sehen uns nie mehr wieder. Bis gestern verhielten sie sich immer korrekt.
  • Vor einem Monat haben wir ein Paar kennen gelernt, das mir erzählt hat, dass sie regelmässig Sex ohne Kondom mit den Nimmersatten hatten und haben.

Das sind die Fakten. Ich weiss jetzt auch, was das Ehrenwort der Lady wert ist.

Ich weiss, dass die meisten Menschen in unserer Lage stillschweigend den Kontakt abbrechen würden, sich nicht mehr melden und die Beteiligten unwissend links liegen lassen würden. Wir beide wollen immer klare Fronten und nach diesem Erlebnis bin ich in grosser Kampfstimmung und mit dem vielen Hintergrundwissen sehr gut bewaffnet. Nur ahnen die Nimmersatten nichts davon. Mit den Worten, wir hätten etwas Dringendes zu besprechen, laden wir das Paar zu uns ein.

Als sie eintreffen, sind sie fröhlich und gut gelaunt, sie haben keine Ahnung, um was es geht. Mr. Nimmersatt sagt, er habe sich untersuchen lassen, er sei gesund. Mein Ausfluss könne nicht von ihm kommen.

Ich frage: "Ihr seid nur safe unterwegs?" Die Lady sagt: "Ja, ausschliesslich!" Ich fixiere sie und frage: "Warum erzählen mir P. + M., dass sie mit euch Sex ohne Kondom haben?" Sie antwortet geschockt: "Das ist schlichtweg nicht wahr!" Eiskalt frage ich: "Sag mir einen Grund, wieso sie sowas belanglos erzählen sollten, wenn es nicht wahr wäre!" Sie wird bleich antwortet nicht. Weiter bohrend frage ich: "Wieso erzählen mir die Tiger, dass sie eine Woche nach unserer damaligen Vereinbarung unsafe Sex mit euch hatten, obwohl es nie beabsichtigt war." Jetzt behauptet sie: "Der Tiger hat es provoziert, er hat mich ohne Kondom gefickt." Ohhh, jetzt werde ich sauer, aber in einer solchen Auseinandersetzung bleibe ich kühl und berechnend, spiele meine Karten so geschickt, wie möglich aus: "Das glaube ich nicht. Ist aber auch komplett irrelevant. Der Punkt ist, dass ihr eine Vereinbarung mit UNS hattet, mit dem gegenseitigen Versprechen, sofort zu melden, wenn etwas mit einem anderen Paar passiert." Sie kontert provokant: "Als ihr uns abgesagt habt, dachten wir, ihr habt eh ein anderes Paar gefunden, mit dem ich ohne Kondom ficken wollt!" Jetzt muss ich Coolness bewahren, nur mit reinen Fakten fighten: "Euer Vorfall mit den Tigern war der Auslöser unseres Rückzugs aus der Vereinbarung. Wir wollten doch eigentlich immer ehrlich zueinander sein. Ihr habt uns den Vorfall nie gebeichtet, das zählt in erster Linie für uns. Wir haben damals, ohne einen triftigen Grund zu erklären, einen Rückzieher gemacht, weil wir bitter enttäuscht von euch waren. Geschwiegen haben wir, weil wir den Urlaub retten wollten. Ihr sucht den ungeschützten Geschlechtsverkehr und wendet dazu sehr miese Tricks an. Ihr lügt und zerstört eine sehr kompatible Swingerfreundschaft." Sie schaut mich fassungslos an, Tränen füllen ihre Augen. Nun erhebt mein Mann das Wort und aus dem Gesagten kommt auch seine Enttäuschung deutlich hervor: "Seinen eigenen Dom dermassen anzulügen, wenn es für das Spiel so ein tiefes Vertrauen braucht. Sehr übel und subunwürdig!"

Ein riesiger Heulkrampf schüttelt die Lady, schluchzend stammelt sie: "Es tut uns so leid, wir haben einen Riesenmist gebaut. Einen Riesenmist! Verzeiht uns, vor allem mir. Bitte verzeiht mir! Es ist so schön mit euch! Der Urlaub war der Schönste, den wir je erlebt haben."

Nein, so einfach geht es bei mir nicht mehr: "Ihr habt etwas Kostbares mit Füssen getreten, viel Geschirr zerdeppert. Wir beide, vor allem ich, brauchen Zeit, einen Break und Abstand, um zu schauen, ob überhaupt noch etwas irgendwann möglich ist. Es ist so selten, dass man Paare findet, die erotisch so gut kompatibel sind, aber jetzt ist in mir zu viel zerstört. Wir trennen uns hier und lassen einander Luft, schauen, auf welche Art wir damit fertig werden."

Lady Nimmersatt ist emotional am Ende. Ihr Mann hat nicht mehr viel dazu gesagt, stützt nun seine bitterlich weinende Frau und beide gehen todtraurig Richtung Auto. Plötzlich reisst sich die Lady von ihrem Partner los, eilt zu meinem Mann und sinkt ihm jammernd und klammernd in die Arme: "Bitte, bitte, lass uns die Sache bereinigen. Ich brauche meinen Führer und Dom, um meinen Weg zu finden." Mein Mann schaut mich an, sein Leid ist ihm anzusehen. Unauffällig verneine ich mit einer Kopfbewegung, zeige ihm an, er solle sie jetzt los- und gehen lassen. Er küsst sie auf den Scheitel und schiebt sie von sich weg. Schutz suchend kehrt sie zu ihrem Mann zurück. Wir schauen ihnen nach, wie sie gemeinsam zu ihrem Wagen gehen, Mr. Nimmersatt ihr ins Fahrzeug hilft und sie abfahren. Ich raune meinem Mann zu: "Lass sie vorerst ziehen, sie soll mal ganz tief in sich gehen, und vor allem den benötigten Schutz bei ihrem Mann suchen! Und mit Verlaub, Du hast Dir ja schon ein kleines Miststück einer Sub ausgesucht." Er muss über meine Worte schmunzeln und antwortet: "Da hast Du wohl recht!"

Ich weiss ja, wenn eine kompatible Swingerfreundschaft zerbricht, ist es bereits hart, aber eine erfüllende Dom-Sub-Konstellation ist ein paar Nummern heftiger, da dies noch schwieriger zu finden ist. Mir geht es durch den Break viel besser, alles ist aus meinem Inneren heraus und ausgesprochen. Lassen wir alle Beteiligten erst mal durchatmen.

Zu meiner grossen Freude sind drei Tage nach der Aussprache meine Unterleibsbeschwerden abgeklungen. Mein Mann und ich können wieder unbeschwert unseren Partnersex geniessen, ich kann ins Swingerleben zurückkehren.

Eine lange Entschuldigung lese ich noch von der Lady. Zur Kenntnis nehme ich ihre Zeilen, aber von meiner Seite herrscht erst mal Funkstille. Ich denke, der Verlust ihres Dom's schmerzt sie dermassen, dass sie über ihr Verhalten noch nicht wirklich nachgedacht hat. Es soll mal genügend Zeit ins Land ziehen.