Ab auf die Insel

Mein Mann und ich kommen im hohen Norden an, der Flug der Nimmersatten landet erst in ein paar Tagen. So geniessen wir noch etwas Zweisamkeit in der ruhigen Zivilisation an diesem Teil der Erde. Wir erkunden die Stadt, unternehmen Ausflüge im Mietwagen und fahren mit einer Nostalgie-Eisenbahn in die Vergangenheit dieses Landstriches. Eine sehr entspannende, interessante, gemeinsame Zeit wird uns geschenkt. Das Wetter ist immer nordisch kühl, windig, viel bedeckt, zum Teil sogar neblig. Na ja, nicht gerade meine Wohlfühl-Sommertemperaturen, der Faserpelz und eine dicke Jacke sind mein ständiger Begleiter. Genau darum habe ich so lange gezögert, hierher zu reisen, denn ich mag Sommer und empfinde den Winter bei uns eh immer als viel zu lang.

Der Tag, an dem wir Gesellschaft bekommen, bricht an. Mit dem Mietwagen holen wir die beiden Nimmersatten vom Flughafen ab. Gemeinsam relaxen wir in einem nahegelegenen Thermalbad mit natürlich heissen Quellen. Das warme Wasser verwöhnt unsere Muskeln und Gelenke. Am Abend gönnen wir uns ein herrliches Dinner in einem guten Restaurant und fallen in das saubere, weiche Bett eines Hotels. Noch ein bisschen den Luxus der Zivilisation tanken, bevor wir für 14 Tage all dem Adieu sagen.

Am nächsten Tag werden wir von warmen Sonnenstrahlen und blauem Himmel begrüsst. Traumwetter herrscht. Wir sind zeitig unterwegs und stemmen den gewaltigen Einkauf. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so eingekauft. Das Mietauto ist bis unter das Dach gefüllt. Wir Ladys warten auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums, bis die Männer die Mega-Einkäufe zum Startplatz des Wasserflugzeuges gebracht und dort deponiert haben. Wir hätten keinen Platz mehr im Auto gefunden. Zuerst holen mein Mann und Mr. Nimmersatt unser Gepäck vom Hotel ab, sammeln uns beim Einkaufszentrum wieder ein und chauffieren alles zum Startplatz. Jetzt muss nur noch der Mietwagen abgegeben werden und dann kann es losgehen.


Tatkräftig helfen wir mit, all unsere Habseligkeiten und Vorräte ins Flugzeug zu packen. Erstaunt stelle ich fest, dass zur Gewichtsverteilung einige unserer Gepäckstücke in den beiden Wasserkufen des Flugzeuges verstaut werden. Endlich sind wir startklar, steigen ein, werden festgeschnallt und erhalten Kopfhörer. Sanft gleitet das Flugzeug über den See, beschleunigt immer mehr, rast über den See und hebt ab. Wir steigen in den Himmel. Völlig entspannt geniesse ich die Aussicht und denke nichts Böses. Plötzlich merke ich, wie Hitze in mir hochsteigt, mein Magen anfängt, zu rebellieren und mir speiübel wird. Mit tiefen Atemzügen versuche ich zu entspannen und mich auf den Horizont zu konzentrieren. Verdammt, ich habe in meiner Abenteuerlust und Aufregung komplett vergessen, dass ich das Fliegen in kleinen Flugzeugen gar nicht vertrage. Mir wird schlechter und schlechter. Bei jedem Berghang, den wir überwinden, hebt es mir den Magen, kalter Schweiss überzieht meine Haut. Ich muss sterben, ............ und das verdammte Homöopathische Mittel ist ganz hinten im Gepäck. Ich packe die Tüte und muss mich heftig übergeben. Das Schlimme ist, es wird dadurch nicht besser..... flugkrank bleibt flugkrank....... und ich falle kreidebleich ins Elend. Endlich, endlich sehe ich nach einer ewiglangen Stunde die Insel, meine Rettung. Einen verdammten Sinkflug und eine sanfte Landung später, schleppe ich mich auf wackeligen Beinen ans sichere Ufer. Ohhhhhhhh Himmel geht es mir besch..........!! Ich sehe, dass es Mr.Nimmersatt ähnlich geht, nicht ganz so schlimm wie mir. Dafür kommen mir mein Mann und Lady Nimmersatt mit strahlenden Gesichtern entgegen. Mein Mann besitzt so eine perfide Art, sein völliges Unverständnis für meinen Zustand zu zeigen. Er legt los: "War das ein superschöner Flug. Der blaue Himmel und die schöne Aussicht, einfach der Hammer. War das ein cooler Moment, als wir unsere Insel von oben sehen konnten. Ich verstehe gar nicht, wie es einem bei einem solchen Flug schlecht werden kann, so ruhig wie der Pilot geflogen ist. Ich habe schon ganz andere Flüge erlebt, da wäre es ja was anderes, aber soooooo...... muss man es doch einfach geniessen...... blablabla!!!!" Ich lehne völlig erledigt am Baum. Mir ist sterbenselend und seine enthusiastischen Ausführungen helfen kein bisschen. Frischfröhlich tänzelt Lady Nimmersatt an uns vorbei und schwärmt: "War das ein wahnsinnig cooler Flug!" Mein Mann setzt wieder an, um irgendwas zu sagen...... ich hebe den Finger und fauche: "Noch ein einziges Wort über den Flug und ich schlage zu!" Er grinst (Ja, ich weiss, eine lächerliche Drohung von einem 1.63 m weiblichen Zwerg zu einem 1.85 m Kerl) und verzieht sich, gut so!

Zwei Stunden dauert die Übelkeit an, dann kehre ich nach und nach zu den Lebenden zurück. Die Insel ist wirklich ein Juwel. Oberhalb des Ufers steht die Sauna- und Duschhütte. Ein schnuggeliges, kleines, gepflegtes Blockhäuschen. Weit von diesem entfernt, aber auf gleicher Höhe entdecke ich das hölzerne Toilettenhäuschen. Als ich die Böschung runterlaufe und dem schmalen Weg folge, gelange ich zur grossen, gut eingerichteten Feuerstelle. Von hier aus erblicke ich am tiefsten Punkt der Insel die Haupthütte. Fast alles Gepäck liegt schon hier. Zuerst erkunde ich die Hütte und ich fange an zu strahlen. Ja, das ist ein Schmuckstück. Gasherd, rustikaler Essbereich, ein chilliges Sofa stehen in der unteren Etage. Eine Leiter führt auf einen kleinen Dachboden, wo auf jeder Seite ein grosses Doppelbett steht. Die Insel und die Gebäude besitzen einen ganz eigenen Charme. Ich helfe den anderen, die Vorräte und das Gepäck einzuräumen und zu verstauen. Als Kühlschrank dient ein im Permafrostboden vergrabenes Fass mit fest verschliessbarem Deckel. Das ist zwar eine sehr rudimentäre, aber praktische Einrichtung, wenn kein Strom vorhanden ist. Gaslampen stehen herum. Ganz wenig Strom von kleinen Solarpanels sind das Einzige, was wir nutzen können.

Beim ganzen Ankommen und Einräumen bemerke ich, dass sich Lady Nimmersatt deutlich meinem Mann zuwendet, ihr Mann sich mir an die Fersen hängt und mir fürsorglich zur Hand geht. Ich nehme es einfach mal zur Kenntnis und warte ab, was jetzt weiter geschieht. Nicht weit von der Haupthütte entfernt steht die zweite Schlafhütte. Gemeinsam mit Mr. Nimmersatt putze ich die Hütte. Die Betten stehen als Kajütenbetten im Raum, lassen sich aber problemlos voneinander nehmen und zu einem Doppelbett zusammenschieben. Wir beziehen sie neu und kehren nach getaner Arbeit zu den anderen zurück. Ich erkläre: "Wir haben gemeinsam die "Schmollhütte" hergerichtet und geputzt!" Völlig perplex schauen mich alle drei an und ich lache: "Wir leben in der Haupthütte auf engstem Raum zusammen, schlafen im selben Zimmer, das wird herausfordernd. Wenn jemand Abstand oder ein Paar Freiraum braucht, kann man sich in die Hütte zurückziehen, halt eben in die "Schmollhütte!" Lachend antworten die anderen: "Gute Idee, super Name....... "unsere Schmollhütte"!!

So richten wir unser Leben auf der Insel ein. Ich bemerke, wie Lady Nimmersatt ihre immensen Outdoorqualitäten meinem Mann präsentieren möchte. Sie kümmert sich um das Brennholz und will die Sauna übernehmen. Herausfordernd frage ich meinen Mann: "Ahhhhh, ich merke, Du willst mir in der Küche helfen!" Er schaut mich verdattert an. Ich schmunzle im Inneren, denn eines weiss ich, die Küche ist eine Gottesstrafe für meinen Mann. "Ja, wenn Deine Sub sich um das Feuer, sprich um Deine Aufgabe kümmert, dann übernimmst Du ihre Aufgabe und hilfst in der Küche!" erkläre ich. So schnell habe ich meinen Mann noch selten seine Aufgabe übernehmen sehen. Er schickt mir die Lady zum Helfen in die Küche.

Der Tag ist ja sonnig heiss, trotzdem ist das Wasser im See bitterkalt. Mein Mann sagt, er nehme ein Bad im See. Ich lehne dankend ab. Ohne eine heisse Sauna stelle ich keinen Fuss in das 14/15 Grad kalte Wasser. Als mein Mann Richtung See geht, ist schon Lady Nimmersatt an seiner Seite. Nackt springt mein Mann rein, die Lady grad hinterher. Sofort schlottert sie heftig und kurze Zeit später steigt sie mit deutlicher Gänsehaut aus dem See. Ich lache schadenfreudig in mich hinein, während sie mir beteuert, wie suuuuper das war und wie gut das tut. Gegen Abend will mein Mann eine kleine Spritztour mit dem Kanu unternehmen. Schon steht Lady Nimmersatt bei Fuss, sie möchte mit meinem Mann paddeln. Ich selber bin nach der ganzen Anstrengung nicht daran interessiert und sage: "Ich entspanne mich beim Yoga!" Sofort ist Mr. Nimmersatt neben mir und fragt: "Kann ich mitmachen?" Äääähhhm, eigentlich mache ich das ja, um zur Ruhe zu kommen, meditatives Atmen zu geniessen und um den Körper zu entrosten..... und das alleine!! Das sind natürlich Aussagen, die ich in meinen Gedanken mache, aber nicht laut ausspreche. Voller Enthusiasmus steht er neben mir, ich lasse mich erweichen und wir suchen uns einen Platz für das Yoga. Ich sehe meinen Mann mit Lady Nimmersatt fortpaddeln. Sie macht einen sehr spastischen Eindruck, wie sie das Paddel ins Wasser stösst. Wenn sie so weiter macht, wird sie mit einem riesigen Muskelkater bestraft werden. Also nun versuche ich, meinem Begleiter ein paar Übungen zu erklären und vorzumachen. Mit dem Meditieren und Atmen kann er gar nichts anfangen und bei den körperlichen Übungen hat er sehr Mühe, da er intensiv mit dem Rennrad Ausdauersport betreibt und dadurch seine Muskeln und Sehnen sehr verkürzt sind. So richtig kommen wir da nicht zusammen. Ist egal, das nächste Mal werde ich Yoga für mich alleine machen. Nach etwa 1 1/2 Stunden kommen mein Mann und die Lady wieder zurück. Sie sieht etwas mitgenommen aus und nach dem Aussteigen reibt sie sich die Schultern. Ja, paddeln ist echt anstrengend und man sollte genau wissen, wie man das Paddel durch das Wasser zieht. Das sieht nämlich einfacher aus, als es ist.

Wir sind alle müde und hungrig. Jeder übernimmt seine Arbeit. Mein Mann heizt die Feuerstelle ein, wir Ladys bereiten die Zutaten vor und Mr. Nimmersatt sorgt für Trinkwasser und heissen Tee. Es ist ein friedliches Hand-in-Hand-Arbeiten und am Schluss geniessen wir einen ganzen Lachs, wunderbar auf der Feuerstelle gebraten, dazu Kartoffeln und Salat. Obwohl der Lachs aus dem heutigen Einkaufszentrum stammt und nicht selbst gefangen ist, schmeckt alles sehr, sehr lecker! Uns geht es blendend.

Die erste Nacht verbringen wir relaxt und pappsatt in der Haupthütte und liegen zu viert im oberen Stock, jeder in den Armen des eigenen Partners.